MORO - Mischling, ~ 70 cm - 7,5 Jahre alt

Hoffnungslos?

Weil so viele von uns ein Zuhause suchen, und weil ganz viele von uns schon so lange warten, mussten sich die Damen, die uns mit ihren Texten beschreiben, etwas einfallen lassen, damit unsere Gesuche nach einer Familie möglichst schnell online gehen können. Dazu haben sie so eine Art Formblatt entworfen, in das sie eintragen, wie wir so sind, wo wir hinpassen könnten, usw.
Und normalerweise halten sich die Text-Damen auch daran. Nur manchmal ? ganz selten ? sehen sie ein Foto von einem von uns und auf einmal ist einfach ein Text da, direkt in ihrem Kopf. In dem einer von uns ihnen seine Geschichte diktiert.

So war es auch bei mir. Ich bin Moro. Und wenn ich mich jetzt nicht so angeschlichen hätte, ich weiß nicht, wie lange ich dann hier noch sitzen und auf EUCH warten müsste. Deshalb möchte ich Euch meine Geschichte erzählen:

Eine von den Freiwilligen, die hier in ihrer Freizeit die Hunde und Katzen in Albolote versorgen, wurde auf meine Mutter Panda und mich aufmerksam. Panda und ich lebten, nachdem man uns ausgesetzt hatte, zusammen auf einem Feld, ein Stück außerhalb von Granada. Dort ging die Frau immer mit ihren eigenen Hunden spazieren. Panda und ich freuten uns jedes Mal so sehr, die kleine Gruppe zu sehen und nahmen vorsichtig Kontakt auf. Wir wollten die Hunde begrüßen und natürlich die freundliche Frau, die uns immer gestreichelt hat und die uns heimlich Leckerlies zusteckte. Wir sahen, wie gut es den Hunden dieser Frau ging, sie waren wohlgenährt, sie hatten tolles Fell, sie machten einen so zufriedenen Eindruck. Wisst ihr, solche Dinge kennen Panda und ich nicht. Wir lebten nur auf unserem Feld, versuchten irgendwie zu überleben und waren froh, wenn wir jede Nacht einen Unterschlupf fanden und unser knurrender Magen uns schlafen ließ. Umso schöner war es dann, immer wieder die freundliche Dame und ihre Hunde zu treffen.

Die Monate vergingen und Panda und mich schien das Glück zu verlassen. Wir taten uns immer schwerer auf den Straßen zu überleben und wir hofften so sehr darauf, dass von irgendwoher doch noch Hilfe kommen würde, dass jemand uns ?sehen? und uns vielleicht mitnehmen würde. Die Gassi-Dame hatte längst bemerkt, dass wir immer schwächer, immer mutloser wurden, aber was tun, wohin mit uns? Sie konnte zu ihren eigenen Hunden doch nicht auch noch zwei so große Hunde wie Panda und mich aufnehmen. Und das Tierheim, in dem sie half, war völlig überfüllt ? Es stand also schlecht um Panda und mich ?
Bis eines Morgens ein Auto an unserem Feld hielt, die Hundedame ausstieg, uns einlud und uns mitnahm ? sie hatte im Tierheim schließlich doch noch einen ganz kleinen Bereich für uns finden können.

Seit Mai 2015 leben Panda und ich jetzt hier. Alle waren entsetzt, wie dünn und kraftlos wir waren, als wir hier ankamen ? es war wirklich allerhöchste Zeit für unsere Rettung, wir zwei hätten wohl nicht mehr allzu lange durchgehalten.
Wir haben uns gut eingelebt, wir bekommen jetzt immer genug zu Essen und wir haben sogar einen Schlafplatz. Aber jetzt höre ich, dass es wohl schwierig wird, uns zu vermitteln, weil wir doch recht groß sind und die Leute viel, viel lieber kleine Hunde mögen.

Ihr habt es ja auf meinen Bildern schon gesehen ? ich bin nicht klein, ich habe kein helles Fell (das mögen die Menschen scheinbar auch besonders gerne) und ich bin nicht schön. (Obwohl die Dame, der ich diesen Text diktiere, findet, dass ich sogar ein wunder-, wunderschöner Rüde bin!).

Also nochmal: Ich bin groß, ich bin schwarz und mir fehlt ein Ohr. Das hat man mir wohl irgendwann zu Markierungszwecken abgeschnitten, ich weiß nicht mehr, ich habe das Alles verdrängt.

Ich habe von Euch Menschen noch nicht so sehr viel Gutes erfahren und deshalb bin ich immer noch ein bisschen vorsichtig und zurückhaltend. Nein, ich bin absolut nicht böse, ganz im Gegenteil! Aber ich komme halt nicht sofort angewuselt, wenn die Pfleger den Auslauf betreten, ich springe sie nicht an, ich mache mich nicht zum Hanswurst für ein bisschen Aufmerksamkeit, ich bin zurückhaltend und vorsichtig und wenn man keine Zeit hat, mich zu streicheln, oder auch keine Lust, dann gehe ich ohne Drama weg. Man kann ja nie wissen ?

Wenn aber die Dame kommt, die uns gerettet hat, oder ein Pfleger, den ich schon ganz gut kenne, dann bin ich happy. Und dann bin ich auch das, was sie anhänglich und verschmust nennen. Freundlich bin ich ja immer, aber ich habe mir notgedrungen so ein bisschen Unabhängigkeit bewahrt. Ich möchte nicht enttäuscht werden. Könnt Ihr das verstehen?

Das aber zusammen mit meiner Fellfarbe und meiner Größe und dem nicht vorhandenen Ohr macht mich dann ?schwer vermittelbar?. Nur weil das Leben mich gelehrt hat, erst mal abzuwarten. Ach Gott, ich hoffe wirklich, dass jemand erkennt, dass auch ich so gerne eine Familie und ein Zuhause hätte!

Ich will ehrlich zu Euch sein: Meinen Zwinger teile ich mir mit meiner Mutter Panda, da mag ich keine anderen Rüden haben. Im Freilauf bin ich außer mit Panda aber mit vier weiteren Rüden unterwegs. Die Pfleger sagen, ich bin grundsätzlich auch mit Rüden verträglich (mit den Mädels ja sowieso), aber manchmal stänkern wir uns untereinander schon auch an. Es wird nie etwas Ernstes daraus (sonst hätten die das hier mit dem Freilauf längst geändert), aber Ihr würdet wohl sagen: ?Moro sucht sich seine männlichen Freunde aus?. Ich glaube, das trifft?s auch ganz gut.
Leider führt das aber auch dazu, dass Panda und ich zusammen mit den anderen vier Jungs in einem sehr kleinen Teil des Tierheims leben müssen ? und glaubt mir, schon der ?große? Teil ist nicht wirklich groß ?

Was kann ich Euch noch erzählen? So wirklich viel gibt?s da nicht mehr.
Ich war bisher seit meiner Rettung noch nicht wieder ?draußen?. Die Leute hier haben einfach viel zu viel damit zu tun, uns alle zu versorgen. Deshalb gibt?s auch keine Beschreibung von mir beim Gassigang. Aber ich glaube, wenn wirklich jemand von Euch Interesse an mir hat, wenn Ihr Euch vorstellen könnt, mir das erste, wirkliche Zuhause meines Lebens zu schenken, dann würden sie wohl auch irgendwie schauen, dass mich jemand mitnimmt zum Gassigehen und Euch dann beschreiben, wie ich mich dabei angestellt habe. Das gilt auch für mein Verhalten Katzen gegenüber, das kann auf Wunsch auch getestet werden.

Ich sehe meine vielen schwarzen Kollegen hier und ich hab ehrlich gesagt schon ein bisschen Angst, hier auch hängenzubleiben, deshalb nochmal meine Bitte:

Ich bin noch nicht alt, Ihr nennt das wohl ?im besten Hundealter?, ich bin doch eigentlich auch anhänglich und manchmal auch verschmust und ganz bestimmt bin ich dankbar. Ich habe nicht die Hoffnung, dass ich mit meiner Panda zusammenbleiben kann ? den Ort für zwei so große Hunde wie uns gibt es wohl nicht ? aber genau wie Panda wünsche ich mir nichts sehnlicher als ein Zuhause, einen Platz zum Leben. Endlich. Auch wenn wir uns dafür trennen müssen.

Wenn Ihr nach all der Beschreibung jetzt vielleicht entdeckt habt, dass ich zu Euch und Eurer Familie passen könnte, dass Ihr mit mir durch dick und dünn gehen wollt, dass Euch weder meine Größe, noch meine Farbe, noch mein nicht vorhandenes Ohr stören und dass Ihr mir Zeit geben wollt, bei Euch anzukommen und mich in Ruhe einzugewöhnen dann macht Ihr mich so glücklich! Bitte schreibt dann ganz schnell an meine Vermittlerinnen, damit ich zu Euch kommen kann. Und wenn Ihr eine freundliche Hündin bei Euch wohnen habt, die sich vielleicht auch über einen Gefährten freuen würde, dann wär das toll. Aber natürlich ist das keine Bedingung für meine Vermittlung.

Ich bin bei Übergabe übrigens geimpft, kastriert und gechipt und werde auf Mittelmeerkrankheiten getestet.

Jetzt liegt es bei Euch ? bekomme ich Post?

Mit hoffnungsvollen Grüßen
Euer
Moro

PS: Das hier schreibt meine Pflegerin über mich. Ihr sollt ja auch mal eine neutrale Meinung zu mir hören ?

?Moro hat kein schönes Leben gehabt. Er war sehr dünn als er ankam, ihm fehlte ein Ohr. Er kam zusammen mit seiner Mutter Panda, von der er nie weicht. Er ist groß und gutherzig. Mit einigen Rüden verträgt er sich nicht wirklich, aber es kam noch nie zu einem ernsthaften Streit. Deshalb lebt Moro aber leider in einem sehr kleinen Bereich im Tierheim. Im Auslauf hingegen ist er mit Rüden zusammen, aber im Zwinger mag er keinen anderen Rüden haben.
Moro ist ein bisschen unabhängig/eigen. Er geht raus, schnuppert, macht sein Geschäftchen, sucht aber nicht unbedingt Anschluss zu den anderen. Er mag?s halt auf seine Art. Wenn er dich mit einem Leckerli sieht kommt er und wenn du ihn dann streichelst, bleibt er an deiner Seite, aber er klebt nicht an den Menschen. Wenn du ihm Aufmerksamkeit schenkst, bleibt er ein Weilchen, wenn nicht, geht er gleich wieder und macht sein Ding. Bis jetzt war er noch nicht gassi, so dass ich noch nicht mehr zu ihm sagen kann, aber wenn er Interessenten findet, dann testen wir das. Ich hoffe wirklich, dass Moro jetzt auch mal ein bisschen Glück hat und ein Zuhause findet.?

Informationen zum Tierheim Albolote:
Albolote ist eine Kleinstadt in Spanien, auf dem andalusischen Festland. Täglich werden hier ca. 300 Hunde und ca. 100 Katzen versorgt. In Albolote wird nicht getötet!

Wir sind eine private Tierschutzorganisation und deshalb angewiesen auf Spenden. Es gibt nur eine fest angestellte Mitarbeiterin, alle anderen Helfer sind ehrenamtlich im Tierheim tätig. Alle zusammen stecken viel Zeit, Engagement und Liebe in das ?Projekt Albolote?. Wir arrangieren Tierheimfeste in der Stadt, klären über Kastrationen auf, besuchen mit den Hunden Altenheime, Kindergärten usw. und informieren über Tierschutz ganz allgemein. Es soll sich auch langfristig etwas ändern in Spanien!

Bei der Mühe die sich wirklich ALLE geben, ist Albolote trotzdem kein schöner Ort für unsere Schützlinge. Eigentlich immer voll besetzt, laut, eng. Es gibt viele Zwingeranlagen und zwei sehr beengte Katzenbereiche. Wegen der vielen Tiere haben unsere Hunde nur täglich zwei Stunden Freilauf, während ihre Zwinger gereinigt werden. Zum Teil müssen wir sogar die Waschküche und Vorratsräume belegen, wenn das Tierheim mal wieder aus allen Nähten platzt, was in letzter Zeit eigentlich ständig der Fall ist.

Also bestenfalls ein Dach über dem Kopf und Versorgung, mehr können wir nicht bieten. Ein Tierheim eben ? aber ganz sicher kein Zuhause und kein Ort, an dem irgendein Tier sein Leben verbringen sollte! Die meisten unserer Schützlinge haben nur eine Chance (auch aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Lage und der hohen Arbeitslosigkeit in Spanien), wenn sie ins europäische Ausland vermittelt werden können. Hierzulande finden sich immer weniger Menschen, die einen Hund oder eine Katze adoptieren können/möchten.

Ohne Vermittlungen ist dauerhaft kein Tierschutz möglich. Deshalb arbeiten ALLE Helfer und Helferinnen in Spanien und Deutschland Hand in Hand zusammen um die Hunde und Katzen DIREKT aus dem Tierheim in ein schönes Zuhause vermitteln zu können.

Kontakt:
Tierschutzverein Albolote/Granada
Spanien
Ansprechpartner (in Deutschland): Anja Keller
Tel: 0172/1687697
E-Mail: AsociacionAmigosAnimales@yahoo.com



 

 

 

Kontakt

Anja Keller - Asociacion Amigos de los Animales, Granada - AsociacionAmigosAnimales@yahoo.com - 18552 Albolote / Granada, I - Tel.: 49 172/1687697

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